Zum Inhalt springen

„Michael Gartenschläger und drei Lehren“ – Vortrag beim Club Gartenschläger

Bereits im Juni vergangenen Jahres hatten wir von unserem Club Gartenschläger berichtet. Einem Angebot gerade auch für ältere Interessenten an der freiheitlichen Philosophie Ayn Rands. Bereits seit einem Jahr gibt es nun regelmäßigen Austausch und Vernetzung unter unserem freiheitsliebenden Namenspatronen. Aus diesem Anlass hat Max Remke – Historiker und Politikwissenschaftler sich endlich einmal näher des Namensgebers der illustren Runde angenommen: Michael Gartenschläger.

Kaum ein Name steht in der Geschichte der deutsch-deutschen Teilung für eine so bedingungsloses, beherztes und bisweilen auch halsbrecherisches Engagement gegen den östlichen Unrechtsstaat wie der Name Gartenschläger. Er war zuerst – noch recht impulsiver – Aktivist gegen die Errichtung der Mauer im Jahr 1961. Bald darauf lebenslang in einem Schauprozess verurteilter politischer Häftling. Er startete mehre Fluchtversuche, erkletterte im Protest einen Gefängnisschornstein und wurde schließlich – von der Haft gezeichnet – vom Westen freigekauft.

Doch auch in der Freiheit, in der er eine neue Liebe fand und als Tankstellenpächter sich eine erigene ökonomische Existenz aufbaute, ließ ihn der Unrechtstaat nicht los, welcher ihm seine Jugend gekostet hatte. So wurde er bald Fluchthelfer, rettete so 31 Menschen aus den Staaten des Ostblocks, geriet dabei abermals in Haft und flüchtete erfolgreich zurück in den Westen.

Am bekanntesten aber ist der wohl letzte große Coup Michael Gartenschlägers. Entschlossen der Welt zu beweisen, was die DDR offiziell bestritt – das Selbstschussanlagen an der Grenze im großen Stil eingesetzt wurden – schritt er erneut zur Tat. Er stahl zuerst eine Selbstschussanlage, die er an den Spiegel verkaufte, später eine weitere. Dies Alarmierte die DDR-Führung, welche gleichermaßen Angst vor dem eigenen Volk, wie um die internationale Anerkennung hatte. So wurde Michael Gartenschläger beim dritten Versuch eine Selbstschussanlage zu demontieren von einer Sonderkommando der Stasi am 30. April 1976 erschossen. Vergessen wir ihn nicht.

Zum Abschluss noch eine Leseempfehlung: Sollte Sie das Thema interessieren, gibt es ein verdammt gut geschriebenes Buch seines Weggefährten Lothar Lienicke, geschrieben zusammen mit Franz Bludau. Es trägt den Namen Todesautomatik und vereint die seltene Tugend sowohl, sachlich dicht, historisch sauber und wahnsinnig spannend wie ein Thriller geschrieben zu sein. Und Nein, für diese Empfehlung kriegen wir kein Werbegeld – es ist wirklich sehr gut.