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Die AynRandCon Europe 2026 – Ein kurzer Bericht

Wenn der ein oder andere Objektivist in die tagesaktuellen Nachrichten blickt oder über die
moralischen Vorstellungen der Deutschen zum Staat und des gesellschaftlichen
Zusammenlebens nachdenkt, muss wahrscheinlich mit den Augen Rollen. Umso
überraschender ist es, dass auf der diesjährigen Ayn-Rand-Konferenz in Porto “a lot of
Germans” waren. Ja, ihr habt richtig gehört, Deutschland hat die Konferenz in Portugal
dominiert. Zwischen Vorträgen über Rationalität, Freiheit, Selbstverwirklichung, Lebensglück
und Kapitalismus standen Gruppen junger Deutscher in der Hotellobby und diskutierten über
Philosophie.

Wein, Frühling, gutes Wetter, ein beheizter Pool auf dem Dach des Hotels, Palmen,
portugiesisches Essen und die berühmten blau-weißen Fliesenfassaden lassen das Herz
ohnehin höher schlagen. Porto wirkt gleichzeitig lebendig. Die engen Straßen ziehen sich
hügelig durch die Stadt, irgendwo spielt Musik aus einer kleinen Bar, Menschen sitzen bis
spät abends draußen, und über dem Douro liegt dieses warme, goldene Licht, das alles ein
wenig filmreif erscheinen lässt.

Doch für mich war es kein gewöhnlicher Urlaub, sondern viel mehr als das. Im Alltag
begegnet man oft Menschen, die unglücklich, unmotiviert, leidenschaftslos, hedonistisch,
planlos oder schlicht wertefrei wirken – sei es an der Universität, im Berufsleben oder im
gesellschaftlichen Umfeld allgemein. Die Atmosphäre auf der Ayn-Rand-Konferenz war das
genaue Gegenteil davon. Man war umgeben von interessanten, ambitionierten und vor allem
lebensbejahenden Menschen, die für etwas brennen.

Die Interessen der Teilnehmer waren dabei erstaunlich vielfältig: Philosophie, Ökonomie,
Informatik, Mathematik, Physik, Schreiben, Politik, Unternehmertum oder auch Fragen der
Lebensplanung und Familie. Was sie einte, war nicht ein identischer Lebensstil, sondern die
Begeisterung für die Philosophie von Ayn Rand und die Überzeugung, dass der Mensch
sein Leben bewusst, rational und selbstbestimmt gestalten sollte.


Für jemanden, der gerne reflektiert, große Fragen diskutiert und sich mit anderen über
Lebensziele, Werte und Entscheidungen austauscht, ist das unglaublich inspirierend.
Plötzlich entstehen Gespräche, die man im normalen Alltag viel zu selten führt — nicht
zynisch, nicht destruktiv, sondern voller Energie, Ehrgeiz und echter Neugier auf das
Leben.Und vielleicht ist genau das der eigentliche Grund, warum man eine
Ayn-Rand-Konferenz besucht: nicht nur wegen der Vorträge oder der Philosophie selbst,
sondern weil man dort für ein paar Tage von Menschen umgeben ist, die das Leben ernst
nehmen, ohne dabei freudlos zu werden.

Auch die Vorträge selbst konnten dieses Jahr wirklich glänzen. Besonders in Erinnerung
geblieben ist mir der Vortrag von Onkar Ghate über The Virtue of Selfishness. Im Zentrum
stand die Frage, wie wichtig es ist, eigene Werte zu haben – und das eigene Leben
tatsächlich als etwas zu begreifen, das einen selbst etwas angeht.
Gerade in unserer Kultur wird moralisch ständig eingefordert, sich selbst aufzuopfern,
insbesondere dann, wenn man erfolgreich ist oder „mehr hat“ als andere. Geben gilt als
Tugend, Verzicht als moralische Größe. Doch der Vortrag stellte eine unbequeme Frage:
Wann hat man eigentlich genug gegeben? Und warum gilt es als edel, sich selbst
zurückzustellen, aber als verdächtig, etwas Großes für das eigene Leben erschaffen zu
wollen?

Besonders interessant fand ich den Widerspruch, auf den Ghate hinwies: Wenn
Selbstaufopferung tatsächlich das höchste moralische Ideal wäre, müsste nicht auch
derjenige moralisch fragwürdig handeln, der die Opfer anderer annimmt? Die Logik
altruistischer Moral gerät hier schnell ins Wanken. Solange man nicht selbst verdient,
produziert oder erschafft, lebt man letztlich davon, dass andere genau das tun.
In vielen gesellschaftlichen Debatten wird Eigeninteresse beinahe automatisch mit
Rücksichtslosigkeit verwechselt. Der ambitionierte Unternehmer, der Wissenschaftler, der
Künstler oder allgemein der Mensch, der etwas Großes aus seinem Leben machen will,
steht schnell unter Rechtfertigungsdruck. Dabei entsteht echter Fortschritt fast immer dort,
wo Menschen nicht aus Selbstverleugnung handeln, sondern aus Leidenschaft, Stolz und
dem Wunsch, etwas Wertvolles aufzubauen.

Genau diese Perspektive machte den Vortrag so spannend: die Idee, dass Rationalität,
Produktivität und persönliches Glück keine moralischen Schwächen sind, sondern
Tugenden.

Besonders spannend dabei fand ich die Entwicklung der Idee der Selbstaufopferung.
Historisch wurde vom Menschen zunächst verlangt, sich für Gott aufzuopfern (warum auch
immer Gott dein Opfer benötigt) – die eigenen Wünsche, Ziele und manchmal sogar das
eigene Glück einer höheren Macht unterzuordnen. Heute geschieht oft etwas Ähnliches, nur
unter anderen Begriffen: Nicht mehr Gott, sondern „die Gesellschaft“, „das Gemeinwohl“
oder „die Schwächeren“ treten an diese Stelle. Die moralische Grundforderung bleibt jedoch
häufig dieselbe: Der Einzelne soll sich selbst zurücknehmen.

Dazu passte auch ein Vortrag über „Reason vs. Faith“, also Vernunft gegen Glauben.
Besonders interessant fand ich dabei die Diskussion um Ayaan Hirsi Ali. Sie trat einst aus
dem Islam aus und wurde zu einer prominenten Verteidigerin westlicher Werte und der
Aufklärung. Vor einiger Zeit bekannte sie sich jedoch zum Christentum und begründete dies
unter anderem damit, dass man dadurch westliche Werte verteidigen könne.
Gerade dieser Punkt hat mich persönlich zum Nachdenken gebracht, weil ich selbst
Ex-Muslimin bin und die Leere kenne, die nach dem Austritt aus einem umfassenden
religiösen Wertesystem entstehen kann. Viele Ex-Muslime suchen danach sofort ein neues
Fundament – manche werden Christen, andere Kommunisten oder schließen sich anderen
ideologischen Bewegungen an. Der Mensch sucht Orientierung, Sinn und moralische
Gewissheit.

Doch genau hier fand ich die Gedanken von Onkar Ghate besonders überzeugend. Er
betonte, wie wichtig es ist, sich ernsthaft mit Philosophie auseinanderzusetzen, anstatt
lediglich ein Glaubenssystem gegen das nächste auszutauschen. Denn die Werte, die den
Westen groß gemacht haben, entstanden nicht aus blindem Glauben oder religiösem
Zwang. Es waren Rationalität, die Aufklärung, individuelle Freiheit und das Vertrauen in den
menschlichen Verstand, die Wissenschaft, Wohlstand und Fortschritt ermöglicht haben.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Herausforderung unserer Zeit: nicht einfach neue
Autoritäten zu finden, denen man glauben kann, sondern den Mut zu haben, selbst zu
denken.